Avicenna, Ibn Sina - Abū Alī al-Husain ibn Abdullāh ibn Sīnā: Kanon der Medizin

Sultanahmet, Sonntag 29 Dezember 2013 - 15:23:00





Wir schreiben das Jahr 980 - der Orient ist dem Abendland in Sachen Wissenschaften bereits weit überlegen. Der Koran befiehlt seinen Anhängern: „Erwirb Wissen im Namen Gottes, deines Herrn.“ Denke logisch über dich, deine Handlungen und über deine Religion nach! Es ist die Blütezeit des Islams, das goldene Zeitalter und ein weiterer Wissenschaftler wird geboren um Weltgeschichte zu schreiben. Avicenna oder Abū Alī al-Husain ibn Abdullāh ibn Sīnā wird seinerzeit zu den wichtigsten muslimischen Medizinern und Universalwissenschaftler der Welt. Zudem ist er ein Philosoph, Mathematiker, Astronom, Alchemist und Physiker. Sein Meisterwerk ist der Qānūn at-Tibb (Kanon der Medizin). Dieses Buch gilt bis ins 17. Jahrhundert hinein als eines der wichtigsten Lehrbücher der Medizin.

Ausbildung in seinen jungen Jahren

Ibn Sina wurde 980 in einem Dorf in Afschana bei Buchara, heute Usbekistan geboren. Er wuchs als Sohn eines ismailitischen Steuereintreibers in Afschana auf. Später zog Ibn Sina mit seinem Vater, seiner Mutter und seinem Bruder nach Buchara. Sein Vater gewährte ihm hier eine gute Ausbildung. Mit nur zehn Jahren konnte Ibn Sina den gesamten Koran auswendig. Des Weiteren studierte er Philosophie, Mathematik und Jura. In einem Alter von siebzehn Jahren interessierte sich Ibn Sina für die Medizin und lernte die ihr zugrunde liegende Theorie und Praxis - dabei halfen ihm die Werke von Aristoteles und insbesondere die Aufzeichnungen von Al Farabi. Nur ein Jahr später in einem Alter von achtzehn Jahren wurde er Arzt der samamnidischen Herrscherdynastie und mit 21 Jahren schrieb er sein erstes Buch.

Ibn Sinas Wanderjahre wegen Unruhen und Kriege

Durch Unruhen, Kriege und dem ständigen Wechsel der Herrscherdynastien wanderte Ibn Sina von Stadt zur Stadt. Im Jahre 1013 hielt er in der Stadt Gorgan Vorlesungen in Astronomie und Logik. Hier schrieb er auch den ersten Teil seines medizinischen Kanons. 1014 eröffnete Ibn Sina in der Stadt Ray eine medizinische Praxis und verfasste weitere kurze Werke. Sein Leben beschreibt Ibn Sina als äußerst anstrengend. Tagsüber war er im Dienst für den Hof, in den Abenden hielt er Vorlesungen und in den Nächten schrieb er seine Bücher und weitere Teile seines Kanons. Seine Freunde rieten Ibn Sina zu etwas weniger Arbeit und zu mehr Ruhe in seinem Leben auf. Er weigerte sich mit folgenden Worten: „Ich habe lieber ein kurzes Leben in Fülle als ein karges langes Leben“. Im Jahre 1037 stirbt Ibn Sina in Hamadan, heute Iran, an den Folgen seiner Erschöpfung durch seine harte Arbeit und einer schweren Erkrankung. Auf seinem Totenbett ergreift ihn die späte Reue – hätte er doch den Rat seiner Freunde befolgt! Seine gesamten Reichtümer stiftet er den Bedürftigen und stellt seine Sklaven von ihren Diensten frei. Der Legende nach wurde sein Tod durch die übermäßige Gabe eines Medikaments seines Schülers beschleunigt. Sein Mausoleum befindet sich in heute in Hamadan.


Avicenna, Ibn Sina
Aussprache: ibn sinaa
türkisch: İbn-i Sina
arabisch: ابن سينا
persisch: ابن سينا
englisch: Avicenna
980 - 1037 n.Chr.


Kanon der Medizin Qānūn at-Tibb

Ibn Sinas Meisterwerk und größtes Vermächtnis an die Menschheit ist sein Qānūn at-Tibb (Kanon der Medizin). Es verbindet römische, griechische und muslimische medizinische Elemente und Traditionen. Hätte die orientalische Welt diese Werke nicht geschützt wären sie heute für immer verloren gewesen.

Das Werk ist unterteilt in fünf Bücher:

1. Allgemeine Prinzipien (Theorie der Medizin)
2. Alphabetische Auflistung von Arzneimitteln und ihre Wirkungsweise (Pharmakologie)
3. Krankheiten, die spezielle Organe betreffen, ihre Pathologie und Therapie
4. Krankheiten, die sich im ganzen Körper ausbreiten (Chirurgie und Allgemeinkrankheiten)
5. Produktion von Heilmitteln bzw. Gegenmitteln (Antidotarium)


Ibn Sina rät den Chirurgen in seinem Buch, beispielsweise den Krebs möglichst in frühen Stadien zu bekämpfen und das kranke Gewebe zu entfernen. Weiterhin beschreibt er, dass Tuberkulose ansteckend sei und Krankheiten durch Erde und Wasser übertragen werden können. Der Kanon deutet auf die Wichtigkeit von Diäten und der gesunden, ausgewogenen Ernährung hin. Des Weiteren findet man Informationen zur Anästhesie und eine genaue Anatomie des menschlichen Auges sowie Diagnosen zu verschiedenen Augenkrankheiten wie z.B.: Katarakt (grauer Star, Linsentrübung). Außerdem beschreibt Ibn Sina die Symptome von Diabetes mellitus und sexuell übertragbare Krankheiten. Das menschliche Herz fasst Ibn Sina als Pumpe auf. In seinem zweiten Teil des Kanons führt Ibn Sina 760 Arzneimittel auf mit ihrer pharmakologischen Wirkung und ihre Indikation, also ihrer Anwendung. Ein Novum: Ibn Sina stelle als erster Regeln auf wie ein Arzneimittel vor dem Einsatz bei Menschen zu prüfen sei. Er bemerkte auch die enge Beziehungen zwischen dem Gemüt, dem körperlichen Zustand und dem positiven Einfluss der Musik auf die Patienten. Für mehr Informationen siehe ausführlicher Artikel zur: türkischen Musiktherapie. In seinem Qanun beschreibt Ibn Sina auch psychische Störungen und die Liebeskrankeit!

Liebeskrankheit

1013, Stadt Goran. Der Prinz von Gorgan ist unglücklich schwer Krank. Er hat keine Kraft mehr, isst nichts, sagt nichts und wird bettlägerig. Der Herrscher über Goran sammelt verzweifelt alle Ärzte um seinen Sohn herum. Er will all seine Besitztümer jenem geben der seinen Sohn heilt! Die örtlichen Ärzte wissen keinen Rat und kein Gegenmittel für sein Leiden. Ibn Sina jedoch bemerkte ein starkes flattern im Puls des Prinzen, als er die Adresse und den Namen seiner Geliebten erwähnt. Der Arzt hatte in ihm die Liebeskrankheit diagnostiziert! Sein Gegenmittel: Der kranke Prinz soll mit seiner Geliebten vereint werden.


Lange Zeit war das Morgenland in Sachen Wissenschaften, wie Medizin oder Astronomie dem Abendland überlegen, da die Kirchenoberhäupter jegliche Wissenschaften als Ketzerei und als Teufelswerk auffassten. Erst im 12. Jahrhundert wurde der Kanon ins Lateinische und 1493 ins Hebräische übersetzt. Neben dem Kanon, seinem Meistwerwerk hat Ibn Sina noch 15 weitere medizinische Werke verfasst. Thematisiert wurden hier Hygiene-Regeln, 25 Zeichen zur Erkennung von Krankheiten und die besondere Beobachtung von Herzpatienten.

Weitere namhafte muslimische Wissenschaftler:

- Ulugh Beg (* 22. März 1394; † 27. Oktober 1449)Astronom und gilt als DER Märtyrer der Wissenschafent. Der Name Ulugh Beg ist im türkischen ein Titel und bedeutet Großer Herrscher.

- Taqi ad-Din, Taqī ad-Dīn Abū Bakr Muhammad: auf türkisch Taqiyaddin, ein osmanischer Universalgelehrter. Er war Astronom und Astrologe, Ingenieur und Erfinder, Uhrmacher, Optiker, Physiker und Mathematiker, Biologe, Pharmazeut und Mediziner, Hochschullehrer, islamischer Richter, Philosoph und Theologe.

Zu seinen bedeutendsten Erfindungen gehören die Dampfturbine, eine komplexe Kolbenpumpe, verschiedene mechanische Uhren, ein Teleskopsystem und verschiedene astronomische Instrumente. Für den osmanischen Sultan Murad III. baute er in Istanbul eines der größten Observatorien der damaligen Welt.


Astronomen forschen im Observatorium von Sultan Murad III. (Taqi ad-Din ist vermutlich einer der zwei Männer rechts hinter dem Tresen, die das Astrolabium betrachten.)


- Abu Nasr Muhammad al-Farabi auch Alfarabi, (* um 870; † 950), war ein muslimischer Philosoph, Musiktheoretiker in Sachen Heilkunst, Mathematiker und Universalgelehrter aus Zentralasien.

- Abu l-Wafa auch Muhammad Abu al-Wafa al-Buzjani (* 10. Juni 940 † 15. Juli 998) war ein herausragender Mathematiker und Astronom

- Al Gazari, Ibn ar-Razzaz (Al Jazari) war ein arabischer Ingenieur, er baute 1181 Wasseruhren, Kolbenpumpen, Musikautomaten uns Sicherheitsschlösser. All seine Aufzeichnung und Anleitungen zum Bau von Geräten hat er bildlich in seinen rund 550 Seiten umfassendem Werk aufgeführt.



und noch viele weitere Wissenschaftler....!

Übrigens der größte Wissensdiebstahl der Weltgeschichte ist die einfache Übersetzung muslimischer Wissenschaften ins Lateinische ohne den Wissenschaftler und die Quelle zu erwähnen! Wissenschaftler wie Leonardo da Vinci und Galileo Galilei forschten mit den Aufzeichnungen von arabischen Wissenschaftlern ohne den Verfasser zu kennen. Unserer Moderne Wissenschaften, wie Mechanik, Zeitmessung, Medizin und Optik verdanken wir unseren muslimischen Entdeckern. Bis heute wird in den Schulbüchern die orientalisch-wissenschaftlichen Errungenschaften nicht anerkannt.

TV-Tipp zu diesem Thema:

- Doku: Welt der Wunder Spezial Das Geheimwissen des Islam
- Buch: Der Medicus ist ein historischer Roman in dem Avicenna vorkommt
- Film-Tipp: Der Medicus (Erstaufführung im Kino: 25.Dezember 2013) behandelt den oben aufgeführten Roman.

Quellen:

- Cyril Glassé,Huston Smith, The New Encyclopedia of Islam, Rowman Altamira, 1 Şub 2003, p.200. "Persian father and Turkic mother"

- Ravil Bukharaev, Islam in Russia: The Four Seasons, Palgrave Macmillan, 16 Eyl 2000, p.95

- Theodore Craig Levin, The Hundred Thousand Fools of God: Musical Travels in Central Asia (And Queens, New York), Indiana University Press, 1996, p.40

- wikipedia.org/wiki/Avicenna



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